Donnerstag , Mai 28 2020
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Wölferadio – Erhitzt, Empört, Etienne

Nach der bitteren Niederlage in Freiburg folgte die Schelle vom Trainer für die Mannschaft – und seitdem tobt in den Medien und bei den Fans die Diskussion, was die Folgen sein könnten, nach den kritischen Worten von Trainer Oliver Glasner. Lenny arbeitet das Spiel mit Wölferadio Arena Live Kommentator Jan Schildwächter auf, der in Freiburg am Mikrofon saß und die VfL-Verantwortlichen auch hinter den Kulissen erlebt hat. Außerdem geht es um das letzte Europapokal-Spiel in diesem Jahr gegen St. Etienne. Thematisiert wird aber auch die schwierige Frage, warum in vielen Posts oder persönlichen Meinungsäußerungen zahlreiche VfL-Fans inzwischen eher gleichgültig auf die Spielergebnisse und Leistungen ihres VfL reagieren.


 
 
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12 Kommentare

  1. Glasner: “Wir spielen den Ball nicht nach vorne.”

    Unumstößlicher Fakt. Nicht diskutabel. Eine Tatsache.

    Frage: Warum nicht?

    1. Können wir den Ball nicht nach vorne spielen? (Qualität, technisch)
    2. Wollen wir den Ball nicht nach vorne spielen? (Einstellung, Mentalität, Wille, Siegeswille)
    3. Gibt es vorne – aus welchen Gründen auch immer – keine Anspielstationen?
    3. a) sind das gruppentaktische Gründe?
    3. b) sind das individuelle Verhaltensweisen, die falsch sind oder den Vorgaben nicht entsprechen?
    3. c) sind das “individual-taktisch” schlechte/falsche Aktionen? (das bedeutet bspw. 4 Spieler machen es, 2 Spieler aber nicht)
    3. d) Inwiefern werden Räume vorgegeben? Werden in diese Räume dann Bälle hineingespielt? Oder wird das verweigert?
    3. d) Es werden Räume vorgegeben. Die Spieler schaffen es aber nicht, diese anzuspielen und zu nutzen?! Oder ist das Gegenteil der Fall: Müssen sich die Spieler “selber die Räume suchen”?
    3. e) Inwiefern spielt die “Spielintelligenz der Spieler” hier eine Rolle? Gibt es bei uns Spieler die eine überdurchscnittliche Spielintelligenz haben?
    3. f) Wie schaut es “bei dem Trainer in Sachen Spielintelligenz aus”? Erkennt er Räume, die die eigene Mannschaft sinnvoll umsetzen kann? Erkennt er Räume, die der Gegner offenbart? Und teilt er diese Räume der Mannschaft so mit, das die Mannschaft weiß, wie und wo man sie anspielen muss? Versteht es die Mannschaft, wie der Trainer spielen lassen will? Oder versteht der Trainer, wie er spielen lassen will, aber die Mannschaft nicht?

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    • @Malanda: Ich weiß jetzt nicht, ob die Fragen an mich gerichtet waren oder zur Diskussion anregen wollen. Aber ich versuch mich mal an einer (wahrscheinlich nicht vollständigen) Abarbeitung:

      1. Doch können wir, in der vergangenen Saison erzielte die Truppe 62 Tore. Doch qualitativ scheint das in diesem Jahr anders, weil einzelne Spieler nicht ihr Potenzial abrufen (konnten): Roussillon (Formtief), Mehmedi (Konstanz, Position), Ginczek (Verletzung) usw.
      2. Jede Mannschaft will den Ball nach vorne spielen, alle Spieler sagen (zuletzt Guilavogui), dass man am Offensivspiel weiter hart arbeiten will. Auch in den Spielen, die verloren wurden, habe ich jetzt kein Einstellungs- oder Mentalitätsproblem wahrgenommen. Auch hat man bis zum Ende immer alles versucht (zuletzt gegen Bremen z.B.) da war man eher nicht clever genug. Spieler wie Arnold und Weghorst wollen immer gewinnen, aber wenn du kein Selbstbewusstsein hast, dann spielste halt eher den sicheren Ball hintenrum.
      3. Ja, es sind zu wenige Anspielstationen da und so kaum Optionen, die den Gegner überraschen könnten. Außerdem hat man sich inzwischen gut auf Wout eingestellt.
      3. a) Ja, aus meiner Sicht steht unsere 3er Kette zu tief, dadurch sind die Lücken hinter den Außenverteidigern bei Ballbesitz zu groß und die AV schalten sich nicht so wie im System nötig ins Angriffsspiel ein. Es fehlt, wie schon oft gesagt auch von der Mannschaft: Die Balance. (Siehe 1:2 von Bremen, Roussillon zu weit aufgerückt, Ballverlust im Aufbauspiel Roussillon Gegenspieler macht das Tor)
      3. b) ist obsolet: keiner sagt, spiel einen Fehlpass, damit ist jeder Fehlpass gegen die Vorgabe. Es sind aber auch nur Menschen da am Ball.
      3. c) Ja, aus meiner Sicht schon. Immer schön zu sehen, wenn Weghorst zum Pressing ansetzt. Da macht teilweise noch Victor mit und das wars dann. Dieses wie die Hornissen auf den Ballführenden Pressing vom Anfang der Saison sieht man fast gar nicht mehr, ist aber elementarer Glasner-Fußball. Grund dafür ist wahrscheinlich die innere Safety-First Einstellung und 3a)
      3. d) Laut Interview von Felix Klaus im Wölferadio hat jeder Spieler zunächst mal dieselben Grundaufgaben. Bei den Außen ist es etwa bei Klaus oder Steffen in die Tiefe zu kommen, während Brekalo und Victor eher zwischen die Ketten gelangen sollen. Die Bälle kommen da aber gar nicht hin, weil häufig zu unsauber gespielt. Stichwort: fehlende Präzision (und da kann man vielleicht über Qualität reden, ich würde eher von Unkonzentriertheit sprechen)
      3. e) Ist mir zu unbestimmt. Ich würde jetzt jedem Spieler für seine Position die entsprechende Spielintelligenz erst mal zuschreiben. Wenns um die Ausgangsfrage geht: Spiel nach vorne. Da sehe ich in der Tat nur drei: Casteels, Arnold und Mehmedi, die das Spiel dahingehend überdurchschnittlich entwickeln können.
      3. f) Ja erkennt er. Ich erinnere zu Anfang der Saison an Situationen in denen es nicht lief und Glasner in einer Trinkpause oder Halbzeit Änderungen vorgenommen hat, die gefruchtet haben. Das letzte Mal war aber in Leipzig. Laut Aussagen von Spielern ist das Bild vom System-Verständnis ambivalent (läuft immer besser, Guilavogui, hab Schwierigkeiten, Roussillon) Auch der Trainer sagte erst neulich wird immer besser und jetzt die Schelte, die sich auf die Mentalität bezog. Das heißt, eigentlich haben sie es verstanden, wollen es aber nicht richtig umsetzen oder es fehlen ein paar Prozent an der Qualität. Aber: Es steht auch immer noch ein Gegner aufm Platz…

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    • War an alle gerichtet natürlich, also auch an dich.

      Da du die Frage bezüglich der Einstellung und der Qualität beide mit JA beantwortet hast, können wir denke ich feststellen, das es eben andere Gründe sind. Und darauf will ich ja die ganze Zeit hinaus. Mir ist das auch zu billig zu sagen, da “fehlt die Einstellung”, “da fehlt die Qualität”.

      Das bedeutet also wir landen bei den “taktischen Punkten”, die überwiegend unter 3. zu finden sind. Diese bejahst du ja ganz oder zumindest teilweise.

      Und bei 3. a-f) geht es ja um gruppentaktische (Pressing, Ballbesitz, Konter), individual-taktische (Laufwege, Pressingverhalten, Schnittstellenpässe, Verlagerungen usw) und auch um individuelle Verhaltensweisen (Pässe, Zweikämpfe, Flanken, Schüsse).

      Du bejahst zum Beispiel glasklar, das wir gruppentaktische Fehler machen, 3. a)

      – Abwehr steht zu tief
      – Außenverteidiger stehen dementsprechend nicht hoch genug
      – es fehlt die Balance zwischen Defensive und Offensive
      – Unsere Halbraumspieler haben zwar Grundaufgaben, wie zb Abwehr überlaufen oder sich zwischen den Ketten anbieten, aber wie geht es dann weiter?
      – usw.

      Mich stört in der Diskussion im Blog vehement, das eine taktische Problematik verneint wird. Diese haben wir mMn aber überdeutlich sichtbar. Und auch Glasner verneint das ja in Bezug auf die Grundordnung, diese ist natürlich alleine nicht die Problematik oder auch in Bezug auf das Spiel nach vorne. Aber eine Änderung, das man andere Räume bespielt könnte helfen, eben um gruppentaktische Verhaltensweisen besser ins Spiel zu bringen und die individuellen Qualitäten der Spieler besser zum Tragen zu bringen. Aber auch das will man nicht?! Stattdessen sagt man immer nur, das die Spieler die Vorgaben nicht umsetzen. Das ist mir halt auch zu billig.

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    • Zu 3. f) nochmal:

      Also am Anfang der Saison hat Glasner gut justiert und gewechselt, da gehe ich mit. Aber das ist schon wieder lange her. Warum hat das “aufgehört”? War es am Anfang nur Zufall? Warum schaffen wir es nicht mehr Spiele durch Einwechslungen oder Trinkpausen bzw. Halbzeitpausen-Analysen zu gewinnen? Weil man von Seiten des Trainsers auf der falschen Spur ist und der Einstellung die Schuld gibt? Aus meiner Sicht ist das halt die Antwort. Es mag ja durchaus Spieler geben, die mal in einem Spiel einen schlechten Tag haben. Das ist ja menschlich. Aber wenn die ganze Gruppe dauerhaft nicht performed, dann muss ich mir aus meiner Sicht um das große Ganze Gedanken machen und nicht um “individuelle Verhaltensweisen” wie Glasner immer so schön sagt. Das mag ja im Einzelfall zutreffend sind, aber das Problem ist doch größer…

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    • Die Fragen die du stellst, sind gut und berechtigt.
      Ich habe mir alle Spiele live angeschaut und sage dir dazu: Die Mannschaft hat leider nicht die nötige Qualität.
      Die Passgenauigkeit nach vorne ist ungenügend. Beobachte mal, wieviele Flanken von den Außenbahnen, bei einen eigenen Mitspieler ankommen. Soll ich es dir sagen, keine 10%.

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    • Korrekt. Wenn Weghorst permanent im Strafraum gegen zwei bis drei Innenverteidiger des Gegners steht und keine Unterstützung bekommt, dann ist die Wahrscheinlichkeit eben gering, das Flanken einen Abnehmer finden.

      Du kannst gerne Alexander-Arnold von Liverpool flanken lassen, während Firmino alleine gegen drei Leute im Strafraum steht. Ich sage dir, wie viel er verwerten wird. Vielleicht 20%, weil er besser ist als Wout. Aber die Grundproblematik ist eine andere…

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  2. Schaut euch übrigens das mal an. Ich finde Nagelsmann beschreibt hier zutreffend, was ein Trainer können muss. Stichwort “Dynamik im Vorfeld eines Spiels und während des Spiels beeinflussen”. Wir hatten in Wolfsburg noch nie einen Trainer, der in diesem Punkt (!) auch nur ansatzweise überdurchschnittlich ist. Auch Hecking, Magath, Labbadia und Glasner sind es nicht…

    Meine Meinung: Uns fehlt in unserer Entwicklung der Spielphilosophie gerade so ein Trainer, der wirklich taktisch überdurchschnittlich und überzeugend ist. Ich habe da auch bei Glasner starke Zweifel…ich hoffe, ich irre mich…

    https://www.youtube.com/watch?v=SB9DGSFrbHk

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    • Ja, davon rede ich hier seit 20 Jahren. Traurig, dass ausgerechnet Magath als Schleifer, Hecking und Labbadia als purer Bundesligadurchschnitt zu unseren besten Trainern der Geschichte gehören. Und gerade bei letzteren konnte man auch oft genug kritisieren.

      Darum hatte ich ja auch dafür geworben, Favre oder Tuchel als Nachfolger von Hecking 2015 zu installieren. Oder eben Villas Boas.

      Trainer, die taktisch flexibler sind und eine gewisse Spielintelligenz besitzen.
      Trainer, die ehrgeizig sind und immer besser werden wollen.
      Trainer, die es verstehen, eine Spielphilosophie zuerst am Team zu entwickeln und dann darüber hinaus.

      Stattdessen haben wir hier regelmäßig Selbstdarsteller oder Trainer, die sich hier in die Hängematte legen.

      Mein Vorschlag wäre derzeit übrigens Kohfeldt oder Berns Trainer Seoane.

      Dazu gehört dann aber eben auch ein Manager, der auch eine Zuknftsvision hat, und nicht nur über seinen Ruhestand nachdenkt.

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    • Naja, man hat sich ja bewusst für Glasner entschieden. Ich denke, man hätte auch Villas Boas bekommen können, der taktisch definitiv überdurchschnittlich ist.

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    • “Darum hatte ich ja auch dafür geworben, Favre oder Tuchel als Nachfolger von Hecking 2015 zu installieren.”

      Genau das! Einfach einen bekannten Trainernamen und 2-3 Stars “installieren” und fertig! :vfl:

      Schön, wenn die Wortwahl entlarvt, dass da jemand das echte Leben mit einem Computerspiel verwechselt.

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  3. Danke für die diesmal wirklich tollen Analysen im Wölferadio. Mir ist das im Wolfsblog von vielen Usern im Augenblick zu dramatisch dargestellt (wenngleich ich die Leidenschaft von vielen hier schon auch mag). Die letzten 5 Minuten mit der verpassten Chance unseres fliegenden Holländers und dem Weltklassefreistoß von Schmid (das war schon außergewöhnlich… so ein Freistoß habe ich schon Jahre nicht mehr vom VfL gesehen)… das hätte auch gut andersrum ausgehen können. Ich glaube weiterhin an Glasner und ja.. es ist noch ein Weg zu gehen.

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  4. Noch ein Podcast-Tipp:
    Kicker Meets Dazn aus Wolfsburg mit Alex Schlüter…
    mit Poppi und Doorsoun

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