Mittwoch , September 26 2018
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Wolfsgeheul-Best

Zyankali im Team-Building

Ich sag mal so: Wenn wir noch mehr Chancen liegen lassen wie gegen die Puppenkiste, dann kann der VfL demnächst auch als neuer Drogenbaron in Kolumbien kandidieren. Da geht ja auch nix über die weiße Linie. Bei der Möglichkeit von Divock hatte ich schon die Ehrenrunde beendet, hatte mir im Nordkurvensaal noch n 1-Euro-Pils zum Feiern gezogen und schon alle Frauen im Stadion abgeknutscht – und dann war das Ding nicht drin. Tja, wäre so wichtig gewesen wie ein kleines Steak, hier mal die drei Punkte da zu behalten. So immer zittern hat zwar auch was Gutes, zum Beispiel hat man ja immer Schaum aufm Bier, aber ich kann auf die Spannung echt gern verzichten. Ich bin allerdings überzeugt, das wird alles hinhauen mit dem Klassenerhalt, muss ja. Die Liga kann gar nicht ohne uns. Allein, weil rund um den Verein immer so viel los ist. Da kommt man ja fast gar nicht mehr nach. Erinnert mich irgendwie alles an die Fernbeziehung zwischen ner kleinwüchsigen Neapolitanerin und nem Holzfäller aus Alaska. Also ist kompliziert, wollte ich damit sagen. Muss man wohl einfach mal die Zukunft abwarten, was das jetzt alles heißt. Das Gute ist: Jedenfalls wirkte die Mannschaft nicht so, als müsste sie in ihrer Freizeit noch nebenbei den Aufsichtsrat bestücken. Deswegen volle Konzentration aufs Sportliche. Volle Konzentration ist nämlich… oh guck mal die da hinten, die hat ja… Gut ich bin ja auch kein Spieler und darf mich ablenken lassen. Mir ist eh nur eins wichtig: Hauptsache keine Relegation gegen Braunschweiß. Da kriegen meine grauen Haare sonst graue Haare. Aber wird ja so oder so nicht passieren. Wenn die Mannschaft weiter zusammenhält und wir oben weiter Gas geben, läuft das schon. Und wie sagte schon der Architekt zum Psychologen? – Das wichtigste Gebäude ist immer noch das Team-Building…

Apropos Zusammenbruch. Nico Kovac hat ja jetzt seine erste Niederlage als Bayern-Trainer kassiert. Uli Hoeneß hofft schon wieder darauf, dass der Hund von Jupp Heynckes doch noch mal bellt. Was ich euch noch sagen wollte: Mich hat man auch angerufen, ob ich nicht zum FC Bayern kommen möchte, und was soll ich sagen? Ein Telefonat hat mich auch sofort überzeugt – das nicht zu machen, natürlich. Dabei hatten wir uns n paar Wochen vorher schon mal zufällig getroffen, der Kalle und ich. Bei der Bar Mizwa meines vietnamesischen Uhrmachers. Dessen Schwippschwager mütterlicherseits hatte zufällig noch n Platz im Taxi frei. War also alles ganz harmlos und natürlich so wahrheitsgetreu wie ne Pressekonferenz von Donald Trump. Aber eigentlich müssen wir ja den Bayern richtig dankbar sein. Holen von der Konkurrenz die besten Spieler, damit die nicht ins Ausland gehen und dort zur Gefahr in der Champions League werden, sorgen in der Bundesliga für Konstanz und Sicherheit bei der Vergabe des Meistertitels und denken sogar noch an andere Vereine, die bei der Trainersuche dann noch n Monat mehr Zeit haben… Das ist doch fair. Moment, ich muss mir kurz etwas Erbrochenes aus dem Mundwinkel ziehen.

Wo wir grad beim Thema sind: Ich glaube, der Aki hat in Dortmund langsam auch den Kaffee auf. Gegen den HSV-Aufbaugegner Schalke vergeigen, stand glaub ich nicht im Geschäftsbericht für die Aktionäre. Jedenfalls hat die Truppe echt ein Statement abgeliefert, unbedingt mit Stöger weiterarbeiten zu wollen. Da war ja so viel Leidenschaft aufm Platz wie beim Standard-Liebesabend von Oma Minchen und Opa Ernst. Da herrscht außerdem auch so viel Bewegung, wie bei Mario Götze auf der Bank. Und Schalke kann ja doch noch ansehnlich gewinnen. Die meiste Zeit in der Saison sah der Fußball da so schlimm aus, da brauchteste eigentlich ne Packung Zyankali auf Rezept. Aber die Probleme hätte ich gern…

In diesem Sinn: Bleibt geschmeidig!

10 Kommentare

  1. Muldental Wölfin

    :like: Ein Lichtblick am grauen Himmel, endlich wieder ein Wolfsgeheul! Wie hab ich es vermisst die letzten Wochen.
    Ja, die Bayern und ihre Geschäftsgebaren… Am Ende reden sie es sich selber schön. Jeder wie er es braucht.

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  2. Wieder wunderbar zum auf die Schenkel klopfen.⚽
    Heute Abend Daumen drücken dass Mainz nicht gewinnt.Ich hoffe auf ein 0:0.

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  3. Nur was bringt der Klassenerhalt in diesem Jahr? In der nächsten Saison geht der ga ze Mist von vorne los.

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  4. „Aber eigentlich müssen wir ja den Bayern richtig dankbar sein. Holen von der Konkurrenz die besten Spieler, damit die nicht ins Ausland gehen und dort zur Gefahr in der Champions League werden, sorgen in der Bundesliga für Konstanz und Sicherheit bei der Vergabe des Meistertitels und denken sogar noch an andere Vereine, die bei der Trainersuche dann noch n Monat mehr Zeit haben… Das ist doch fair. Moment, ich muss mir kurz etwas Erbrochenes aus dem Mundwinkel ziehen.“
    Deine virtuelle Übelkeit ist nachvollziehbar und verständlich, aber sie hat auch etwas unbewusst Inkonsequentes, fast Heuchlerisches. Versuche bitte, das mal nicht persönlich zu nehmen. Ich will auch gleich versuchen, diese harte Bewertung zu erklären.
    Du selbst kritisierst (humoristisch ironisch) einerseits Mechanismen und Verhaltensweisen im BuLi-Geschäft, die zurecht die Frage aufwerfen, ob es in diesem etablierten System überhaupt noch fair zugeht oder sich nicht doch mittlerweile ein Sumpf gebildet hat, wo letztlich ein Club sich auf Kosten anderer immer nach oben strampeln kann. Das kann man so sehen und ich würde nicht unbedingt widersprechen.
    Andererseits bist du mit deinen Aktivitäten – willentlich oder nicht – Teil dieses Systems. Auch dies ist keine persönliche Kritik, Lenny, sondern einfach nur eine Feststellung der Sachlage, wie ich sie wahrnehme und einschätze. Vielleicht kannst du das eher annehmen, wenn ich mich einschließe und sage, dass auch ich mit meinen Beiträgen im Wolfsblog kaum dieses Systems infrage stelle und – ungewollt- dazu beitrage, dass es hübsch funktioniert.
    Warum sehe ich das so? Mit Blick auf den eigenen Club, für den wir Sympathien haben, rechtfertigen wir fast alles, was ihm Erfolg bringt. Dabei hätte gerade der VfL mit dem VW-Geld im Rücken uns ja manchmal Anlass geben können, manches Geschäftsgebaren (Spieler- und Trainertransfers, Aquirieren von Sponsorengeldern etc.) eher kritisch zu bewerten. Und mancher Fan wünscht sich sicherlich insgeheim eine Dominanz wie die der Bayern. Und wenn ich mir vorstelle, der VfL hätte es tatsächlich geschafft, sich – meinetwegen knapp hinter den Bayern – als zweite BuLi-Größe zu etablieren, dann würde sich der VfL mit Sicherheit keinen Deut anders verhalten, als die Bayern es seit Jahr und Tag tun. Und ich denke viele, vielleicht auch du, die das Geschäftsgebaren der Bayern jetzt kritisieren, würden dieses Verhalten als notwendig erachten, um die Vormachtstellung zu erhalten. Die Bayern verhalten sich aus meiner Sicht also nur „systemkonform“, nicht anders, als sich jeder Bundesligist in gleicher Lage verhalten würde.

    Hält man dieses Verhalten für unfair und verwerflich, dann müsste man konsequenterweise das gesamte System, nach dem die Bundesliga – wie alle Profi-Ligen- konstruiert ist, auf den Prüfstand stellen. Dann müsste man alle Mechanismen beseitigen, die dazu beitragen, dass sich z. B. so etwas wie nahezu unangreifbare „Global Player“ bilden können, weil sportlicher Erfolg, gepaart mit finanzieller Macht, erneuten sportlichen Erfolg und einen weiteren finanziellen Vorsprung generieren. Denn damit wird der eigentliche sportliche Wettbewerb, dessen klassischer Fairnessgedanke gleiche Voraussetzungen für alle beinhaltet, ad absurdum geführt. Im Bezahlfußball ist der sportliche Wettbewerb seit langem nur noch die vordergründige, aber notwendige Kulisse dafür, ungeheure Geldmengen möglichst gewinnbringend zu bewegen. Und die Verhaltensregeln dafür bestimmt logischerweise nicht der Sport.
    Wenn das sauer aufstößt, reicht es also nicht, periodisch nach der jeweils erneuten Meisterschaft die Bayern dafür zu kritisieren, dass sie ihre nächste Meisterschaft und ihre Vormachtstellung abzusichern versuchen. Dann muss man tiefer gehen und einen DFL-Ligabetrieb kritisieren, der heutzutage schon mehr nach marktwirtschaftlichen (oder auch konkurrenzkapitalistischen) Prinzipien funktioniert als nach Grundsätzen des sportlichen, geschweige denn des olympischen Wettbewerbs.

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    • Ist halt ein bisschen wie des Pudels Kern…
      :stein:

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    • @Joan: Danke, dass du dich so ausführlich mit dem Text beschäftigt hast. Natürlich sind wir alle Heuchler, die wir die Bestie füttern mit Tickets, teurem Bier und Fanschals. Dass die Bayern noch mehr aus diesem ganzen Konstrukt herausstechen und für sich noch den Gral der Rechtschaffenheit reklamieren, ist mir zumindest eine satirische Betrachtung wert – auch wenn wir natürlich im selben Teich schwimmen. Aber manchmal ist ein Gag auch nur ein Gag, ist ein Gag… ;)

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  5. @Andyice: Wenn du damit meinst, dass wir den “Pudel” immer schön füttern und ausführen, wohl ahnend oder wissend, dass eigentlich Übles in ihm steckt, dann passt der Bezug zum Goethe-Zitat.

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