Freitag , September 25 2020
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Foto@Alasdair Nicol

Hertha gegen Wolfsburg – Wahlheimat gegen Heimatclub

Foto@Alasdair Nicol
 
von Maren Scholz:
So schnell kann sich das Blatt wenden und die Hoffnung keimt wieder auf. Beim einen werden die Augen größer beim Gedanken an die internationalen Plätze, beim anderen wird nach einem unerwarteten Auswärtserfolg gar vom „Befreiungsschlag“ gesprochen.
Der Auswärtssieg der Herthaner in Mainz war alles andere als erwartet worden. „Eindrucksvoll zurückgemeldet“ hat sich der Hauptstadtclub, so tönt es aus den Radiostationen in Berlin, während der VfL Wolfsburg gegen die schwachen Hamburger verdient, erhofft und irgendwie auch erwartet gewonnen hat – jedenfalls für mich. Gegen den HSV läuft es für uns ja irgendwie immer glatt.
 
An diesem wettermäßig sehr durchwachsenen letzten Märzwochenende mache ich mich also nicht auf den Weg in die Heimat, sondern kann in meiner Wahlheimat bleiben und einem Spiel beiwohnen, bei dem ich natürlich einem Sieg der Wölfe entgegenfiebere, gleichzeitig aber auch Mitleid mit der Hertha habe. Wieder eine Berliner Fußball-Saison, in der es gegen Zweitligisten geht? Nein Danke.
Es schlagen also ein Wolfsburger und ein halbes Herthaner Herz in meiner Brust, als wir das Olympiastadion betreten. Die Familie ist natürlich erwartungsfroh angereist.
Im Vorfeld gab es in den Berliner Zeitungen und im Radio das übliche Vorgeplänkel: „Gegen den VfL Wolfsburg lief es immer gut, ganze 9 Spiele hintereinander konnte der VfL in der Hauptstadt nicht mehr gewinnen. Der letzte Sieg der Wölfe in Berlin liegt schon über 11 Jahre zurück.“
 
Die erste Halbzeit
Während mein Bruder mir noch die Personalie Träsch näherbringt und mir nicht ganz schlüssig zu erklären versucht, warum Hasebe draußen geblieben ist, erspielt sich die Hertha ganz überraschend die ersten Chancen. Aber man kennt ja Otto Rehhagel. Wer weiß, welche Marschroute der alte Fuchs seinen Jungs ausgegeben hat.
Und so ist es: nach zwei raffinierten Steilpässen fällt gleich in der 13. Minute das erste Tor für die Hertha.
Aber die Wölfe holen auf und Mandzukic scheitert zum ersten Mal am guten Tormann der Herthaner. In der 21. Minute schiebt der Kroate den Ball dann zwar in das gegnerische Tor, das war aber leider Abseits. Den Schuss von Schäfer, der darauf folgt, pariert Kraft bravourös.
In den nächsten Minuten erarbeiten sich die Herthaner weitere gute Chancen, aber wie das so ist, wenn man zu schnell zu viel will: Janker macht den Wölfen ein Geschenk. Ausgleich. Dennoch auch sehr stark gemacht von Dejagah.

Jetzt scheinen die Wölfe das erste mal aufzuwachen. Das Tor von Helmes in der 34. Minute wird erneut durch einen überzeugenden Dejagah eingeleitet, der sich rechts gut durchsetzt. Helmes zieht ab und trifft zum 1:2.
Schade, dass Mandzukic in der 37. Minute zu lange mit der Ballabgabe zögert. Die Aktion endet mit einem in höchster Not rettenden Lell.
Papa neben mir ärgert sich ein bisschen, aber mit einer glücklichen Führung geht’s in die Pause.


 
Zweite Halbzeit:
Gleich in der 48. Minute zieht Papa wieder hörbar die Luft ein. Diesmal wegen eines greifbaren Tors der Herthaner, das zum Glück nicht fällt. Bei den Wölfen wird Jiracek für Josué gebracht. Das Spiel geht munter weiter mit sehenswerten Szenen und absoluten Großchancen für die Herthaner:
Ich springe in der 53. auf, aber das Tor von Helmes war keines – mal wieder Abseits.
Am Sitz festkrallen ist in der 60. Minute angesagt, als Lasogga ohne jeden Grund an unserem Tor vorbeischießt, autsch. Als nächster darf Ramos unseren Torhüter testen. Benaglio ist heute aber ganz wach und hält die Kugel ganz fest. Und auch wenn die Berliner viele Chancen haben, sie nutzen sie einfach nicht!
Das rächt sich in Gestalt von Mandzukic, der in der 77. Minute abzieht und das Leder versenkt. Das tut ihm ein paar Minuten später Helmes nach. Stand: 1:4. Jetzt tut mir der Hauptstadtclub nur noch leid.
Das Aufbäumen der Berliner bleibt aus und die Wölfe verwalten verdient das erzielte Ergebnis. So kann das was werden mit den internationalen Träumen. Und die Hertha? Auswärts geht’s am nächsten Spieltag gegen Mönchengladbach und dann kommt Freiburg.
Euphorisch aber auch ein ganz klein wenig wehmütig verlasse ich das Olympiastadion.
 
 

13 Kommentare

  1. „Der Papa zieht die Luft ein“ :) Ja, das habe ich auch so manches mal.
    Was für ein Spiel. Erst das Dortmundspiel am Freitag und heute nun dieses Spiel. Wie oft war die Hertha allein vor Benaglio? Drei mal? Vier mal?
    Unglaublich, wie die ihre Chancen versemmelt haben.
    Wir hatten heute mehr Glück als Verstand.
    Ich bin mir sicher, wer so viel Glück hat, schafft es noch locker in die Europa Leegue.
    Ich war nach dem Sieg noch ein bisschen feiern. VfL olé :)

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  2. Seit elf Jahren haben wir in Berlin nicht mehr gewonnen? Hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Dann wurde es ja mal wieder Zeit :)
    Es war natürlich ein glücklicher Sieg. Zeitweise dachte ich, dass die Berliner Geld dafür bekommen haben, dass sie absichtlich daneben geschosse haben. So blind kann man doch gar nicht sein.
    Aber so ist es meistens im Abstiegskampf. Die Teams, die die Schei… am Hacken haben steigen auch ab.
    Ich fände es schade, weil Berlin für ein Auswärtsspiel schnell zu erreichen ist und die Wölfe immer relativ viele Fans dort mit hinnehmen.

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  3. Glückwunsch aus Berlin!
    Unfassbar wie unfähig meine Berliner gestern wieder waren. Man müsste eigentlich darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
    Mit ein bisschen Glück schießen wir euch mit 4:1 aus der Arena. Man kann wohl sagen, dass die Offensivspieler gestern die Partie entschieden haben. Unsere treffen das fast leere Tor nicht, und eure Stürmer machen aus vier Chancen vier Tore.
    Echt deprimierend.

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  4. Zumal uns noch ein regelgerechtes Tor meiner Meinung nach zu Unrecht aberkannt wurde. Unheimlich effektiv war das gestern, richtig gut, aber über unsere Abseitsfalle reden wir lieber nicht…

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    • Doch, lass uns mal darüber reden. Warum stehen wir so hoch? Das muss Magath doch als taktische Anweisung ausgeben. Sieht er nicht, dass dies schon seit vielen Spielen nicht funktioniert? Mein Herz bleibt jedes mal stehen, wenn der Gegner den Ball einfach über die Abwehr hebt und mehrere Spieler in den leeren Raum rein sprinten. Das ganze kann doch nur funktionieren, wenn das Mittelfeld so kompakt steht, dass dort kein Durchkommen ist. Dazu muss man aggressiv pressen. Josué kann das meiner Meinung nicht mehr. Und wenn dann später Madlung vor die Abwehr gestellt wird, kann einem Angst und Bange werden.
      Ich verstehe Magaths Plan an dieser Stelle nicht.

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  5. naja die berliner standen 11x im abseits(laut schiedsrichter). die spielweise ist natürlich riskant, aber wenn sie denn irgendwann funktioniert…
    ich hoffe mal, dass wir gegen dortmund nicht so hoch stehend spielen.

    was mir ein bisschen angst macht für die nächste daison ist der versuch mit jiracek und vieirinha auf den außen zu spielen. falls magath das für die zukunft sehen will(was ich mir gut vorstellen kann bei magath): was wird dann aus schäfer und dejagah? wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass magath diese aussortiert.

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    • In letzter Zeit hatten wir aber auch bei einigen Szenen Glück, wo auf Abseits entschieden wurde, es am Ende aber gar kein Abseits war. Das ist ein Tanz auf der Rasierklinge.
      Jiracek auf den Außen verstehe ich auch nicht. Magath hat doch selbst von einem sehr guten Duo Polak/Jiracek gesprochen, und es bedauert, dass es durch die Verletzung auseinander gerissen wurde. Josue ist ein hoher Unsicherheitsfaktor, und Jiracek muss eigentlich neben Polak spielen. Ich kann viele Entscheidungen leider nicht verstehen.

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  6. Meine Wünsche sind in Erfüllung gegangen.
    Trotz 4:1 – glücklich – gewonnen !
    Unsere Abwehr war in der Rückwärtsbewegung katastrophal, Dank Diego und dem Unvermögen der Berliner hats nur 1x geklingelt.

    Gegen den BVB hätten wir mit dieser Spielweise ( sehr hoch stehende Abwehr) wahrscheinlich hoch verloren.

    Meine Hoffnung für das Match gegen den BVB das unsere Abwehr viel denfensiver eingestellt sein wird, und der größere Druck bei Dortmund liegt. Bayern liegt auf der Lauer, BVB mittlerweile seit 22. Liga-Spielen in Serie ungeschlagen… jede Serie reißt einmal….es wird Zeit diese zu beenden !
    Packens wir,s an….

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  7. Mein Beitrag passt jetzt zwar nicht zum Thema aber ich frage trotzdem mal:Wer ist denn Maren Scholz?Ich dachte immer du heißt Normen ;)

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    • Es gibt tatsächlich mehr als nur einen Scholz :)
      Der Blog wächst und es werden demnächst noch weitere Gastkommentatoren und Autoren einen Beitrag leisten.

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  8. ich habe grade in der Zeitung gelesen Magath intressiert an Lionel Messi

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  9. Nein wirklich

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