Donnerstag , Januar 8 2026
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Melchie Dumornay von Olympique Lyon im Zweikampf mit Janou Levels vom VfL Wolfsburg. (Photo by Pauline Figuet/Getty Images)

Chancenlos: VfL Wolfsburg verliert in Lyon mit 1:3

Die Frauen des VfL Wolfsburg haben in der Champions League eine deutliche Niederlage hinnehmen müssen. Beim französischen Rekordmeister Olympique Lyon unterlag das Team von Trainer Stephan Lerch am Dienstagabend mit 1:3. Das Ergebnis klingt erträglich, spiegelt aber nur bedingt das Geschehen auf dem Platz wider – Lyon war in fast allen Belangen überlegen.

Ein Klassenunterschied von Beginn an

Schon in den ersten Minuten zeigte sich, dass die Partie für Wolfsburg ein langer Abend werden würde. Die Französinnen bestimmten das Spieltempo, ließen den Ball laufen und drängten die Gäste tief in die eigene Hälfte. Stina Johannes im VfL-Tor stand früh im Mittelpunkt, parierte mehrfach stark, war aber gegen die Flut an Chancen nahezu machtlos.

Bereits nach wenigen Minuten traf Lyons US-Amerikanerin Korbin Shrader die Latte, wenig später wiederholte sich die Szene. Die Wolfsburgerinnen verteidigten zwar mit großem Einsatz, fanden aber kaum Entlastung. Kaum war ein Ball geklärt, kam er sofort zurück.

Drei Aluminiumtreffer, zwei Gegentore

Nach einer knappen halben Stunde war das Glück der „Wölfinnen“ aufgebraucht. Erst nutzte Ada Hegerberg einen Abpraller nach einem Freistoß zum 1:0. Kurz darauf köpfte die norwegische Weltfußballerin zum 2:0 ein – Johannes war erneut ohne Abwehrchance.

Lyon hätte zur Pause deutlich höher führen können. 14 Torschüsse und drei Lattentreffer sprachen eine deutliche Sprache. Der VfL dagegen kam nur ein einziges Mal gefährlich vor das Tor: Lineth Beerensteyn traf kurz vor dem Halbzeitpfiff den Innenpfosten – es blieb Wolfsburgs beste Gelegenheit.

Wolfsburg findet kaum Mittel

Die taktische Ausrichtung mit einer Fünferkette und zwei Spitzen verpuffte wirkungslos. Statt Stabilität brachte das System Unsicherheit. Lyon kombinierte sich immer wieder mit hoher Präzision durch das Zentrum, während Wolfsburg kaum Zugriff bekam.

Auch in der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild nur leicht. Die Gäste standen etwas kompakter, aber der spielerische Unterschied blieb deutlich. Besonders Lyons Offensivduo Melchie Dumornay und Jule Brand – die frühere Wolfsburgerin – sorgte ständig für Gefahr über die Flügel.

Später Ehrentreffer ohne Bedeutung

Nach einem Foul von Lena Lattwein an Dumornay verwandelte Lyons Kapitänin Wendie Renard sicher zum 3:0. Damit war die Partie endgültig entschieden. Erst in der Schlussphase gelang Wolfsburg ein kleiner Lichtblick: Beerensteyn traf nach schöner Vorlage von Ella Peddemors zum 1:3.

An der klaren Überlegenheit Lyons änderte das jedoch nichts. Die Französinnen spielten die Schlussminuten souverän herunter und sicherten sich den dritten Sieg im dritten Champions-League-Spiel.

Ernüchterung nach zwei Rückschlägen

Für Wolfsburg war die Niederlage in Lyon der zweite Dämpfer innerhalb weniger Tage. Schon am Wochenende hatte es in der Bundesliga ein bitteres 2:3 gegen Frankfurt gegeben – trotz Überzahl. Die Euphorie der vergangenen Wochen ist damit erst einmal verflogen, und die Erkenntnis bleibt: Der Weg zurück zur europäischen Spitze ist für den VfL länger, als es die Verantwortlichen gehofft hatten.

Blick nach vorn

Für die Wölfinnen geht es jetzt wieder nach Hause an den Mittellandkanal, wo schon am Samstag das nächste Spiel auf dem Plan steht. Im DFB-Pokal trifft der VfL Wolfsburg auf den SC Freiburg. Anpfiff ist um 16.30 Uhr im AOK Stadion.

12 Kommentare

  1. Kommentare zu den Frauen hier her verschoben.

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  2. Waren schon coole Zeiten, als man mit Lyon halbwegs auf Augenhöhe war vor ein paar Jahren.

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    • Joa. Die Damen kriegen bisher so gar nichts auf die Kette. Erinnert an das Spiel der Männer. Schade.

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    • Ja, diese Zeiten sind jetzt auch bei den Frauen vorbei. Bis jetzt ist man total chancenlos. Jule wird bestimmt auch noch ihre Bude machen.

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    • Verstehe den Verein einfach nicht, dass man das so hin nimmt. Das Geld wäre doch locker da.
      Trainingszentrum an der Arena? Gross angekündigt, hört man nichts mehr.
      Wirkliche Investitionen in den Kader? Fehlanzeige, zu 90% nur ablösefreie Spielerinnen.

      Finde es gut, dass Lerch zurück ist, aber er braucht auch einfach mehr Mittel und Qualität. Jetzt wo der Frauenfußball immer größer wird und mehr Menschen erreicht, lässt man so abreißen und denkt, es reicht mit dem invest von vor 7,8,9,10 Jahren für die selben Ergebnisse national und international.
      Hier hat man noch einen großen Namen und guten Ruf, noch.

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    • Nun, es ist keine Überraschung, nachdem Lerch eine so defensive Aufstellung gewählt hat. Mit dieser defensiven 5-3-2-Formation hat er Lyon praktisch dazu eingeladen, das Spiel zu dominieren.

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    • Mir geht es ja nicht nur um das Spiel heute. Sondern um die gesamte Entwicklung seit 3-4 Jahren.

      Finde es unglaublich enttäuschend, dass wir das so hinnehmen.

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    • @Grünerfussel,
      diese Inkonsequenzen und Widersprüche sind doch sinnbildlich für der ganzen Verein. Siehe Herrenbereich. Man ruft jedes Jahr Europa aus, investiert aber nicht dementsprechend. Es reicht eben nicht, an Fabio Silva, Sargent und Ratiu interessiert zu sein, wenn man abwinkt, sobald klar ist, dass 13 Mio. Ablöse nicht reichen.

      Die Frauen gehören zwar noch zur nationalen Spitze, sind aber nicht mehr Spitze und haben international den Anschluss verloren. Was ich mich frage: Weiß man es nicht besser oder sitzt man die Entwicklung des Frauenfußballs bewusst aus, weil man nicht will.

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    • Absolut.
      Ich frage mich auch, hat die Ebene über Kellermann es nicht begriffen oder ist er zu geizig oder traut sich nicht, top Talente aus beispielsweise Skandinavien (Gaupset, Wangerheim, im Sommer Tandberg) anzusprechen und zu verpflichten?
      Oder eine Cerci?

      Was könnten die mit 4-5 Millionen mehr machen.. Ganz ehrlich, ob die Männer 5 Millionen weniger zur Verfügung haben oder nicht, da wird eh schlecht gearbeitet und in 4 von 5 Saisons mindestens die Ziele nicht ansatzweise erreicht. Wahrscheinlich würden die verantwortlichen dort das nicht mal merken.

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    • Wieso investieren wir in den Herrenbereich nicht? Wir geben jedes Jahr zig Millionen für Spieler aus, die nicht mal ein Viertel dessen an Leistung hier bringen (Siehe dieses Jahr Souza oder letztes Jahr Skov Olsen. Mit unseren Mitteln würden 70% der Bundesliga mit Sicherheit mehr gewuppt kriegen als wir. Wir investieren halt ohne Sinn und Verstand, aber das wir nicht investieren würde ich nicht sagen.

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  3. Waren aber schon extrem unterschiedliche Spiele. Gegen Frankfurt hat man individuelle Fehler in der Defensive gemacht, aber offensiv man hatte viele Chancen, insbesondere Popp, die man vergeben hat. Am Ende 31:11 Torschüsse. Das Spiel ist nochmal deutlich ärgerlicher, weil man so ein Spiel natürlich gewinnen muss.

    Gegen Lyon war man von Anfang an klar unterlegen. Ich frage mich aber auch, warum Lerch taktisch umgestellt hat. Wahrscheinlich wäre mit dem gewohnten 4231 auch eine Niederlage zu stande gekommen, aber es gelang so leider offensiv nahezu gar nichts. Die Rotation an sich muss er machen, das geht nicht anders. Und ist auch null mit den Männern zu vergleichen, weil die Frauen alle drei Tage spielen.

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  4. Beerensteyn wird ihren Vertrag laut der Sportbild nicht verlängern, als Nachfolgerin wird über Anyomi spekuliert, an der wir bereits letzten Sommer interessiert waren.

    Der Sportbild Artikel ist wohl nur in der Printausgabe, 90min bezieht sich darauf.
    https://www.90min.de/eintracht-droht-der-verlust-von-zwei-leistungstragerinnen-bericht

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