Was für ein Spiel! Was für ein Wahnsinn! Und was für eine Achterbahnfahrt der Gefühle für alle VfL-Fans. Beim 1. FC Nürnberg sahen die Wölfe lange wie der sichere Sieger aus, verspielten dann eine Zwei-Tore-Führung und standen kurz vor einer Niederlage. Doch in der letzten Aktion gelang tatsächlich noch das 4:4. Ein Punkt, der sich nach diesem irren Verlauf fast wie ein Sieg anfühlt.
Halbzeit eins: So darf es gerne weitergehen
Wer zur Pause schon den Heimweg antreten wollte, hätte einiges verpasst. Der VfL spielte eine starke erste Hälfte, kontrollierte die Partie und ging völlig verdient in Führung. Hauke Wahl traf in der 12. Minute, Muhammed Damar legte in der 29. Minute nach. 2:0 für Wolfsburg, und das auswärts beim Tabellenzweiten.
Es war eine der besten Halbzeiten unter dem neuen Trainer Tobias Strobl. Die Wölfe waren präsent, kombinierten gut und kamen zu Chancen. Das Ergebnis hätte sogar noch deutlicher ausfallen können, ja eigentlich müssen. Yannick Gerhardt ließ gleich zwei hundertprozentige Möglichkeiten liegen. Zur Pause war die Stimmung entsprechend gut. Warum sollte dieser Abend nicht mit einem überzeugenden Auswärtssieg enden?
Tja. Fußball wäre nicht Fußball, wenn er sich an solche Drehbücher halten würde.
Elf Minuten, die alles auf den Kopf stellen
Nach dem Seitenwechsel kam Nürnberg mit einer ganz anderen Energie aus der Kabine. Plötzlich war der Club da, machte Druck und brachte die Wolfsburger Abwehr ins Wanken. Die Wölfe fanden kaum noch Zugriff auf die Partie.
Innerhalb von gerade einmal elf Minuten war aus dem komfortablen 2:0 ein 2:3 geworden. Es war Scobel, der gleich zweimal traf, ehe Mohamed Ali Zoma die Nürnberger Führung perfekt machte. Die Treffer fielen in der 52., 59. und 63. Minute.
Drei Gegentore in elf Minuten. Aus Wolfsburger Sicht war das ein kompletter Absturz. Eben noch hatte vieles nach einem souveränen Auftritt ausgesehen, plötzlich lief kaum noch etwas zusammen. Die Euphorie aus der Halbzeit war verflogen, der Frust groß. Und man musste sich fragen, wie diese Mannschaft eine solche Partie aus der Hand geben konnte.
Nachspielzeit? Anschnallen!
Wer dachte, damit sei der verrückte Abend erzählt, hatte die Rechnung ohne die Nachspielzeit gemacht. Die Schlussphase war ohnehin hektisch, dann überschlugen sich die Ereignisse endgültig.
In der 90.+1 Minute köpfte Besio den Ball zum 3:3 ins Netz. Ausgleich! Der VfL war zurück. Ein Punkt schien gerettet, und nach dem Spielverlauf hätte man damit durchaus leben können.
Doch Nürnberg hatte noch einen Pfeil im Köcher. In der 90.+6 Minute traf Masouras zum 4:3. Das Max-Morlock-Stadion tobte, die Nürnberger wähnten sich als Sieger. Für Wolfsburg blieb nur noch die letzte Verzweiflung.
Und dann kam Besio. Wieder Besio. Mit der letzten Aktion nach einer Ecke köpfte er in der 90.+9 Minute zum 4:4 ein. Wahnsinn! Acht Tore, drei Treffer in der Nachspielzeit und ein Spiel, das wirklich niemand so schnell vergessen dürfte.
Ein Punkt, der sich wie ein Sieg anfühlt
Natürlich muss der VfL dieses Spiel aufarbeiten. Wer beim Tabellenzweiten 2:0 führt, darf die Partie nicht innerhalb weniger Minuten derart aus der Hand geben. Die zweite Hälfte wirft Fragen auf, vor allem mit Blick auf die Defensive und die fehlende Kontrolle nach der Pause. Und sie macht eines deutlich: Der VfL Wolfsburg hat ein Defensivproblem!
Trotzdem bleibt am Ende ein Gefühl, das nach dem 3:2 und erst recht nach dem 4:3 kaum noch vorstellbar war: Erleichterung. Die Wolfsburger haben sich zweimal zurückgekämpft und bis zur letzten Sekunde nicht aufgegeben.
Der vierte sieglose Auftritt in dieser noch jungen Saison ist damit zwar nicht verhindert. Aber immerhin bleibt der VfL in Schlagdistanz zu Nürnberg, das weiter ungeschlagen ist. Und die Wölfe nehmen einen Punkt mit, der nach diesem wilden Spielverlauf deutlich besser schmeckt, als es zwischenzeitlich aussah.
Wer als VfL-Fan an diesem Abend ruhig auf dem Sofa sitzen geblieben ist, verdient jedenfalls eine Auszeichnung. Für schwache Nerven war das nichts.
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