Samstag , Oktober 24 2020
Home / News / Trainingsbericht 09.02

Trainingsbericht 09.02

Mittwochs Training von heute:

Im heutigen Training konnte man sehr gut etwas zur Sprachproblematik lernen. Aber dazu gleich mehr.

Erste Besonderheit:
Das Training fand wieder vor der Arena statt. Getrennt von der Gruppe liefen drei Spieler + holländischen Co-Trainer einsam auf dem Platz hinter der Arena ihre Runden:
Riether, Josuè und Diego.
Sie waren also von den anderen abgetrennt…

Riether befindet sich im Aufbautraining und lief gestern auch nur seine Runden (am Allersee).
Aber was ist mit Josuè und Diego? Auch leicht angeschlagen? Gab es deshalb nur eine lockere Laufeinheit, oder ist es doch ein Teil der Disziplinarmaßnahme?
Dazu gibts sicherlich heute noch mehr Infos…

Gar nicht auf dem Platz: Grafite und Mandzukic + die Nati-Fahrer…

Litti hat heute wieder sehr viel taktische Übungen gemacht wo Lauf- und Passwege einstudiert werden sollten.

Gleich von der ersten Übung war ich schwer begeistert. Viele gute Kommentare von Litti während der Übung. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass wenn ich so eine Übung vorher im Kopf gehabt hätte, hätte ich dies bei McClaren sicherlich auch schon früher kritisch angemerkt.
Aber irgendwie sind mir solche Übungen unter Veh und Magath nicht in Erinnerung geblieben. Keine Ahnung ob es sie damals gab und ich sie nur vergessen habe…

Ein Beispiel:
Hinten stehen zwei IVs – Madlung und Klamt. Sie spielen abwechselnd einen öffnenden Pass auf einen Stürmer (an dieser Position standen drei Spieler: Mbokani, Oro, Helmes). Diese sollten den Ball prallen lassen, zurück auf einen von zwei Mittelfeldspielern (Hasebe und Kahlenberg), diese sollten sogleich den Ball nach Außen passen, abwechselnd links (Schäfer, Tuncay, Cicero) und rechts (Dejagah, Johnson, Schulze). An dieser Position sollte einer der drei den Ball annehmen und ein zweiter Spieler sollte im Rücken den Spieler überlaufen, wo er sofort angespielt werden sollte, zur Grundlinie durchstarten und den Pass nach innen schlagen sollte, wo einer der drei Stürmer den Ball verwerten sollte.
Direkt nach Abschluss sollte ein weiterer langer Diagonalball aus der IV nach Außen gespielt werden, wo es diesmal direkt zu einer Flanke vors Tor kommen sollte.

Kommentare von Litti: Als Stürmer muss man ein Stück rausrücken (zurück, dem Ball entgegen), um die IV zum einen ein Stück rauszuziehen und zum anderen, weil man nur dort einen gewissen Freiraum hat, um eine Aktion einzuleiten.

Ich musste dabei sofort an Grafite denken, der niemals rausrückt, sondern stets auf einer Höhe mit den IVs bleibt, und aus diesem Grund nie einen Ball vernünftig und in Ruhe annehmen kann, geschweige denn dazu kommt, überhaupt einen Ball abprallen zu lassen oder eine Aktion einzuleiten…
—————————————————

Das zweite Beispiel passt sehr gut zu unserer Sprach-Diskussion:

Als zweites sollte diese Übung nun abgewandelt werden. Litti erklärte die Änderung. Ich habe wenig bis nichts verstanden. Zum einen vom Inhalt her, zum anderen akustisch. Ein Trainer muss immer alle Leute erreichen, dreht sich ständig, und so kann man auf dem kompletten Platz nicht alles hören.
Die Spieler schauten sich fragend an. Einige hatten es verstanden und erklärten es anderen. Dann wurde mit der Übung begonnen und alles lief falsch. Litti musste immer und immer wieder korrigieren. Nahm z.B Oro an die Hand und lief mit ihm einen Laufweg ab. Einen Pass spielte er selber und zeigte einen weiteren Laufweg auf.
So pendelte sich die Übung langsam ein und nach 5 Minuten lief das ganze…

Was lernt man daraus?:
Verständigungsprobleme kann es auch unter Deutschen geben. Hier kann man glaube ich niemandem einen Vorwurf machen.
Wenn sich die Leute bei McClaren angeblich oft fragend angeschaut haben, so kann man dies nicht ausschließlich auf die Sprache schieben. Ringo nannte das eben gerade die Fußballsprache, die alle nach einer gewissen Zeit verstehen – egal in welcher Sprache.
Deswegen würde ich meinen, dass man nicht alles nur auf die Sprache schieben kann…
Akustische Probleme kann es zudem auch in jeder Sprache geben.

Ich musste dabei an meine Bundzeit denken. Erste Woche: G3 zerlegen und zusammensetzen. Was haben wir gelacht. Es dauerte einen halben Tag bis man den Ablauf gerafft hatte, obwohl es vorher lang und breit und in deutsch erklärt wurde :)
————————————————-

Etwas anderes ist es mit der Direktheit einer Sprache und mit Emotionalität. Und hier muss ich mich dann letztendlich doch von Wolfsburgo, Ringo und Co überzeugen lassen. Es ist einfach umständlich eine Übung in zig Sprachen übersetzen zu lassen. Emotionen kommen auch nur schwer rüber. Gerade während eines Spiels z.B in der Halbzeitpause.

Alles in allem würde ich das Englische bei einer Übungs-Erkärung nicht als schlimm ansehen, bei vielen anderen Dingen aber mittlerweile schon.

Und mal ganz egoistisch gesprochen: Ich habe am Wochenende den Doppelpass gesehen und habe mich sehr beeindrucken lassen von den Worten von Klopp.
Von unserem eigenen Trainer hatten wir diesbezüglich einfach zu wenig. Er hatte seinen Sprachstil schon dem Ausland angepasst: Kurze Stenosätze. Das hatte wenig mit einem richtigen Fußballgefühl zu tun.

Gerade heute beim Training, wenn man alles von Litti logisch nachvollziehen kann usw. muss ich sagen, ein bisschen Erleichterung ist schon dabei.

Allerdings gilt das natürlich nicht für alle Spieler. Einige Neue können mit diesen Vorteilen nichts anfangen, weil sie weder Englisch noch Deutsch können. Also muss man es wieder ein bisschen relativieren….
——————————————

Nach diesen taktischen Übungen gab es ein kleines Spielchen 8 gegen 8 (inkl. Torhüter).

Gelb:
——————Helmes—————–
Tuncay——–Hasebe——–Dejagah-
Schäfer——-Madlung——-Schulze–
—————Hitz————————

Rot:
—————-Mbokani—————–
Oro———-Cicero———-Kahlenberg
Jugendspieler—-Klamt——Johnson–
—————Lenz———————–

In diesem kleinen Spiel sollte versucht werden, die ein oder andere Übung mit einfließen zu lassen, sprich einen Spielzug zu versuchen, mal einen Ball in der Mitte prallen lassen usw.
Kurz nach der Ansprache klappte auch ein Spielzug durch Hasebe tatsächlich…

Insgesamt ist ein Spiel dann aber doch wieder viel improvisiert.
Und da bin ich wieder bei diesen „zwei Herzen in meiner Brust“, von denen ich neulich schrieb.

Man kann so etwas nicht 1:1 umsetzen. Aber vielleicht reicht schon, dass man durch die Übung weiß, gleich läuft einer hinter mir los… Improvisieren muss man im Spiel dann sowieso, weil der Gegner nie so agiert wie man es im Training mit Stangen einübt.

Vielleicht ist es auch gar nicht gut zu viele verschiedene Übungen zu machen. Wann macht man was im Spiel? Die erste Übung erschien mir schon geeignet zu sein Teile daraus hin und wieder im Spiel anzuwenden – Überlaufen, prallen lassen, Diagonalball, Flanken vors Tor, Abschluss.

Unter Magath war es z.B schlicht und einfach. Unter Klopp scheint es komplexer. Wenn wir jetzt mit kleinen Schritten beginnen würde ich mich auf wenige Übungen beschränken…

Litti geht den richtigen Weg.

—————————————–
PS: Wenn es um Litti geht: Ich habe auch irgendwie ein mulmiges Gefühl, wenn es um den Respekt der Spieler gegenüber Litti geht. Er war vorher genau auf Augenhöhe mit den Spielern. Ich habe mich oft im Training gewundert, wie locker man mit ihm umgegangen ist.

Allein durch ein Siezen wird man das nicht ändern können.

Heute beim Training dachte ich mir aber, vielleicht bekommt er einen Teil des Respektes durch seine engagierte Arbeit auf dem Platz.
Die Spieler merken durch die neuen Übungen, dass mehr hinter Litti steckt als nur ein lustiger Trainings-Clown.

So nach dem Motto: „Endlich trainieren wir richtig – Respekt Litti!“