Montag , November 23 2020
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Bayer04blog im Interview

Heute verschlägt mich meine kleine Interviewreihe nach Leverkusen, zu unserem nächsten Gegner.
 
Der Blog, dessen Betreiber ich heute interviewen werde, nennt sich Bayer04blog.
 
 

 
Ich sprach mit dem Gründer des Blogs, dem Stefan.
 


 
Hallo Stefan! Bevor wir zum Spiel kommen, erzähl uns doch ein bisschen was zu deiner Seite!

Den bayer04blog gibt es seit Januar 2010 und er entstand einfach aus Langeweile. Ich hatte einen Nachmittag lang nichts Großes zu tun, meldete mich bei wordpress.com an und schon ging es los. Das war alles sehr unüberlegt und keinesfalls ausgereift. Es machte einfach Spaß und nach ein paar Wochen oder Monaten erkannte ich dann das Potential und bloggte immer mehr aus Überzeugung. Das ist nun über zwei Jahre her. Seitdem haben wir viele Leser dazu gewonnen, sind bei einige Journalisten und Redaktionen bekannt und der Verein kennt uns natürlich auch. Der Blog ist auch schon lange keine One-Man-Show mehr. Ich benötige besonders bei technischen Fragen immer wieder Hilfe und dazu kommen mit Fanny und Hattrick1904 noch zwei ausgezeichnete Autoren, die den Blog deutlich vielschichtiger machen. Wir wollen eine alternative Plattform für Meinung und Information sein. Nicht besser oder schlechter als die anderen, sondern einfach etwas anders.
Wie gesagt, Kontakt zum Verein besteht, ein regelmäßiger Austausch aber nicht. Meistens frage ich bei der entsprechenden Stelle an und bekomme meine gesuchten Antworten. Das war’s. Es muss aber auch gar nicht mehr sein. Die haben schließlich sicherlich besseres zu tun.

 


 
Eigentlich war Leverkusen gut drauf. Was war da am Mittwoch gegen Barcelona los?

Aus diesem 7:1 wird viel mehr gemacht als es am Ende eigentlich war. Barcelona ist für uns unerreichbar, besonders in 180 Minuten. Die fuhren nicht einmal ihre zwei höchstens Gänge aus und klatschen einen dann trotzdem mit insgesamt 10:2 an die Wand. Wir spielten zwar wahrlich nicht unseren besten Fußball, doch die sind einfach zwei Nummern zu groß für uns. Was dann aber schlussendlich aus diesen 90 Minuten (das erste Spiel, welches nicht auf Sat1 lief, interessierte ja lustigerweise die wenigsten) gemacht wird, geht völlig an mir vorbei. Dazu muss ich nichts lesen und auch keine Reaktionen einfangen. Da ist wie nach Länderspielen. Es steht überall das gleiche.

 


 
Welche Auswirkungen könnte diese Niederlage aus deiner Sicht auf Samstag haben?

Ich denke und hoffe, dass es keine Auswirkungen haben wird. Die einen Spieler werden daran wachsen, andere sind eher am Boden, an wiederrum anderen geht das völlig vorbei. Ich glaube, da haben andere Situationen viel mehr Einfluss. „Habe ich Streit mit meiner Lebenspartnerin? Hält das Kind mich nachts wach?“ über gewöhnliche Selbstzweifel wie „Ist Fußball wirklich alles? Habe ich noch richtige Freunde?“ bis zu Alltagsproblemen, das man morgens einfach nicht gut in den Tag startet. Ich glaube, viele vergessen, dass in diesen Trikots noch echte Menschen stecken, die auch mal ganz normale Probleme haben können. Es richtet sich nicht alles nur nach den 90 Minuten.
Natürlich gibt es gewisse Reisestrapazen und einen völlig anderen Wochenablauf als gewöhnlich. Das spielt sicherlich eine Rolle, aber daneben gibt es auch noch so vieles, von dem wir nichts wissen.

 


 
Blenden wir die Niederlage aus. Was waren die Stärken von Leverkusen in den letzten Wochen?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. In erster Linie spielen wir wieder guten Fußball. Nachdem die ersten Niederlagen in der Saison kamen, ging Robin Dutt vielleicht zu viele Kompromisse ein. Jetzt sieht es schon deutlich eher nach seiner Handschrift aus, zumal er auch jetzt das dazu benötigte Spielermaterial hat. Castro und Renato sind für unsere Offensive eine echte Bereicherung und davon profitieren dann auch Spieler wie Kießling und Schürrle, die auch gleich ein bisschen besser werden. Dazu gab es taktische Umstellungen. Reinartz entlastet als Sechser unsere Innenverteidigung und nimmt den Druck. Es sitzt alles etwas runder, echte Stärken oder Schwächen mache ich dabei nicht aus. Klar, unsere Defensive ist trotz Reinartz nicht stabil, aber wirklich schlecht ist sie auch nicht. Sonst wären wir in der Rückrundentabelle nicht auf Platz 3.
Ich glaube wenn es aktuell eine echte Stärke gibt, dann, dass dort auf dem Feld ein echtes Team steht, welches fast ausnahmslos den Vorgaben des Trainers folgt. Diese Einheit, das macht uns aktuell so stark.

 


 
Ein Blick auf Wolfsburg: Was erwartest du von eurem Gegner?

Was ich erwarte? Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Ich sehe Wolfsburg nur selten über 90 Minuten, doch an guten Tagen können sie wieder richtig guten Fußball zeigen und an anderen spielen sie eher unansehnlich. Von außen betrachtet passt da einfach einiges nicht. Ständig neue Spieler, Magaths taktische Handschrift ist eher leicht zu identifizieren. Ich bin allerdings auch absolut kein Freund von Magath und sehe das deswegen eventuell etwas zu parteiisch.

 


 
Ein Wort zu Helmes: Warum ist er in Leverkusen gescheitert?

Helmes erste Saison bei uns war eine richtig gute, doch dann kamen Verletzungen und Formschwächen. Schlussendlich war das Verhältnis zu Jupp Heynckes alles andere als gut und er musste gehen. Helmes verfügt weiterhin über einen unglaublichen Torriecher, doch er passt nicht in jedes taktische System bzw. er kann sich nicht sehr gut anpassen, da er von seinem Strafraumspiel lebt. Und die aktuellen Entwicklungen rücken immer mehr von diesem Typen ab. Nehmen wir Dortmund. Die werden auch ohne ihren Barrios wahrscheinlich wieder Deutscher Meister. Warum? Weil die wahre Torgefahr schon im Mittelfeld entsteht. Um den Ball schlussendlich über die Linie zu drücken, brauchst du bei den heutigen, sehr gut ausgebildeten Talenten keinen ausgewiesenen Experten mehr.

 


 
Wo wirst du das Spiel verfolgen und welches Ergebnis tippst du?

Ich werde das Spiel irgendwie über die Bildschirme verfolgen und tippe selbstbewusst auf einen 3:1-Sieg. Das Gegentor natürlich von Helmes. Sonst hat die Sportschau ja keinen guten Aufmacher.

 
Vielen Dank für das Interview, liebe Grüße nach Leverkusen und auf ein gutes Spiel!
 
 

5 Kommentare

  1. Gegen uns einen Sieg zu tippen fiel allen Interviewern ausnahmslos leicht. Wer könnte es ihnen verübeln. Komischerweise habe ich trotz der hohen Niederlage der Leverkusener am Mittwoch ein ungutes Gefühl.

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    • oder besser: Interviewten – die, die hier Rede und Antwort stehen – ihr wisst, was ich meine :)

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  2. Coprolalia under Control

    Endlich mal wieder jemand der Helmes richtig einschätzt. Aber wenn man sowas vor wochen selbst geschrieben hat, war man noch ein Magathjünger.

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  3. Gefällt mir auch, wie er den heutigen Stürmertyp beschreibt. Allerdings ist die Frage, ob die Spieler bei Magath auch so sein müssen wie es zb ein Klopp verlangt. Magath hat in der Meistersaison darauf geachtet, dass er auf jeder Position einen sogenannten Experten hatte, der sich nur auf seine einzige Aufgabe konzentrieren konzentrieren sollte. Josue ist das beste Beispiel. Er konnte nur zerstören. Andere Fähigkeiten waren nicht gefragt, weil andere Spieler dies übernommen hatten.
    Helmes passte also nicht in unser Team, weil Magath in der Hinrunde eine andere Art von Experten brauchte, und nicht weil Helmes nicht den modernen Stürmertyp verkörpert, wie es anscheinend auch bei Leverkusen gefragt war.
    Offensichtlich hat sich dies nun in der Rückrunde geändert.

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  4. Die große Frage ist für mich, wie wird sich Leverkusen präsentieren? So wie gegen die Bayern oder so wie gegen Barcelona? Man kann nur hoffen, dass sie ein bisschen Federn gelassen haben am Mittwoch. Deswegen muss man von der ersten Minute an hart zur Sache gehen, um Leverkusen nicht ins Spiel kommen zu lassen. Wenn die erst mal merken, dass wir ängstlich hinten drin stehen, werden sie mental stärker, egal welchen Knacks sie durch das Mittwochsspiel bekommen haben.

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