Donnerstag , Oktober 22 2020
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Der Weg aus der Krise

Um es in der nächsten Saison besser zu machen als in den letzten zwei Jahren muss Felix Magath zunächst einmal die Vergangenheit genau analysieren. Bei seiner Analyse wird er zwangsläufig auf die Aussagen einiger seiner Spieler im Laufe der Saison treffen.
Auch gestern meldete sich ein weiterer Spieler zu Wort. Die Aussagen der Spieler klingen alle gleich.
Kahlenberg: Wir hatten einen schlechten Saisonstart, von dem wir uns nie erholten, auch weil zu oft jeder für sich spielte und nicht ans Kollektiv dachten, besonders wenn es schlecht ging.

Das ist jetzt schon der vierte oder fünfte Spieler, der das so direkt ausspricht.

Ich frage mich immer, wie genau man das deuten soll, bzw. wie man es abstellen kann.

Jeder Spieler weiß anscheinend, dass man nicht zusammenhält, kritisiert es auf der einen Seite, ändert es selbst aber nicht.

Wie soll da eine Lösung aussehen? Liegt es nur an einzelnen Spielern, und diejenigen, die es aussprechen zeigen nur mit dem Finger auf die Schuldigen und sind selber außen vor? Reicht es in diesem Fall aus die ausgemachten „Störenfriede“ auszutauschen?

Oder ist es ein Grundproblem von verwöhnten Fußballmillionären, dass man konsequent von Außen steuern muss. Sprich: Braucht man unbedingt einen starken Trainer der korrigierend in dieser Frage einschreitet?

Oder muss man noch einen Schritt weiter zurückgehen und schon bei der Kaderzusammenstellung darauf achten, dass man die richtigen Charaktere an Bord holt?

Oder aber war es ein schleichender Prozess, der sich in einer funktionierenden Mannschaft breit gemacht hat, und der zu spät erkannt wurde? Denn als das Unheil vor zwei Jahren begann war es noch eine eingeschworene Gemeinschaft, die den Titel errungen hatte.

Wie so oft liegen die Antworten aus meiner Sicht genau in der Mitte. Es ist ein bisschen von allem. Das Anheben der Gehälter führte zu Neid und Missgunst, die Spieler entfernten sich immer mehr von einander. Neue Spieler wurden nicht akzeptiert. Schwache Trainer waren nicht in der Lage das Gebilde zusammen zu halten und die Manager haben die Dinge zu spät erkannt und reagiert.

Seit dem Winter wurden die Probleme erkannt und werden seitdem abgestellt.
Die Maßnahmen von Felix Magath – aber auch schon von seinem Vorgänger Diether Hoeneß – scheinen klar zu sein:

1. Gewisse Charaktere und Störenfriede müssen ausgetauscht werden, um den Teamgedanken wieder zu fördern und um einen neuen Teamgeist heraufzubeschwören. Im letzten Jahr war es deshalb wichtig, dass z.B. ein Misimovic, aber auch ein Dzeko gehen mussten. In diesem Jahr hat Magath Diego als einen solchen auserkoren.

2. Gleichzeitig müssen die richtigen Leute eingekauft werden. Spieler, die sich wieder mehr dem Gemeinschaftsgedanken unterordnen und bereit sind alles für den Verein zu tun. Die Neuverpflichtungen deuten schon darauf hin: Patrick Ochs ist so ein Kämpfer, der sich unterordnen kann, auf der anderen Seite aber auch als Führungsperson voran geht. In einem Interview sagte er, dass er mit Magath und dem VfL sogar mit in die zweite Liga gegangen wäre. Der bereits im Winter verpflichtete Lakic ist ein ebensolcher Spieler. Die Experten aus Kaiserslautern bescheinigen ihm die gleichen charakterlichen positiven Eigenschaften. Von vielen wird er als loyalster und engagiertester Spieler der Lauterer bezeichnet. Eigenschaften, die für unseren VfL enorm wichtig sein werden.

3. Es muss wieder mehr auf das Gehaltsgefüge geachtet werden. Zum einen ist ein gewisses Ungleichgewicht für ein gesundes Eigenleben nicht hinderlich. Im Gegenteil: Junge Spieler, die noch wenig verdienen müssen sehen wie viel sie einmal verdienen können, wenn sie sich richtig anstrengen und etwas erreichen. Der Starspieler darf und muss deshalb auch mehr verdienen als das Talent.
Wichtig ist nur, dass dieser Gehaltsunterschied erstens nicht zu groß ist, was bei uns mittlerweile gegeben ist, wenn man sieht was ein Diego verdient und was im Gegenzug Spieler wie Pekarik oder Dejagah verdienen, die ebenfalls im Kreis der ersten Elf waren.

Zweitens muss das Gehaltsgefüge gerecht sein. Gleichgute Spieler dürfen nicht auf Grund ihres Namens unterschiedlich bezahlt werden. Stars der Meisterschaft wie Dzeko, Grafite oder Barzagli verdienten plötzlich annähernd doppelt so viel wie die ebenfalls engagierten und etablierten Spieler wie Schäfer, Gentner oder Riether.

Man kann und muss wohl sagen, dass direkt nach der Meisterschaft die größten Fehler gemacht wurden, frei nach dem guten alten deutschen Sprichwort: Die meisten Fehler macht man immer im Erfolg.

Magaths Hauptaufgabe wird also darin bestehen, aus einem zertrümmerten Haufen von Egoisten, selbstverliebten Stars und Einzelspielern wieder eine eingeschworene Truppe zu machen. Der Grundstein dafür wird in diesen Tagen im Trainingslager gelegt.

6 Kommentare

  1. Eine tolle Zusammenfassung. So sehe ich die Sache auch. Magath wird das schon richten. Was beim ersten mal so toll war kann jetzt nicht schlecht sein.

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  2. Wow, ein toller Text. Gut geschrieben. Genau so kann man die Situation um unseren VfL zusammenfassen.
    Ich hoffe die Verantwortlichen einigen sich jetzt endlich mal auf einen einheitlichen Weg und gehen diesen auch konsequent zu Ende. Das rumgekrepel im Tabellenkeller kann man sich ja nicht mehr mit ansehen…

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  3. Was für ein toller sonniger Tag heute, und auch schon gestern. Ich hoffe, das Magath und unser Team das gleiche schöne Wetter gerade im Trainingslager haben und so richtig schwitzen bei den Übungen :)
    Alles wird gut!

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  4. Sehr gut analysiert!

    Kleine Anmerkung zu Ochs: Patrick ist der richtige Vorname.

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    • Vielen Dank für den Hinweis. Natürlich, der Patrick. Lustig, Wontorra hatte im Doppelpass den gleichen Versprecher :)

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  5. Magath analysiert nicht, er zockt!

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