Den meisten wird diese Situation bekannt vorkommen: 5.00 Uhr morgens in der Disco. Die Tanzfläche ist schon ziemlich leer. Angesichts des dort verbliebenen Restmaterials hält sich der Flirtfaktor, oder die Aussicht, nicht allein nach Hause zu gehen, in Grenzen. Du bist selbst in einem Stadium zwischen Müdigkeit und Trunkenheit, da holt dich der DJ kurz vor Ende noch mit einem deiner All-Time-Favorite-Songs aus dem Delirium und du schlurfst unter die Scheinwerfer und tust deine Pflicht. Auch wenn es weh tut, die Lust sich eigentlich in Grenzen hält und du eigentlich weißt: reicht jetzt auch! Am Ende tust du es auch für ein Gefühl, dass die Nacht nicht ganz umsonst gewesen sein möge, nicht im Rinnstein enden wird und dass die nächste Party bestimmt wieder besser wird. Und natürlich mit deinen abgerockten Emotionen. Deiner tiefen Verbindung zu dem Stück Musik, dass dir gerade noch mal das Trommelfell perforiert. Kurz bevor das Licht angeht. The Last Dance. Einmal noch. Ein Gefühl, 1:1 zu übertragen auf den VfL in dieser Saison.
Howards Klaviatur
Denn auch hier sag ich ganz ehrlich: Reicht jetzt auch! Der Verein hat es grandios geschafft, die ganze Klaviatur des Fandaseins runter zu klimpern. Zuletzt gestern im Relegations-Hinspiel. Das Bizarre: Immer, wenn man dachte, jetzt wirds gut, kam der Downer. Wie Howard Carpendale nach Ac/Dc. Wie ein 0:0 gegen Paderborn nach einer vergleichsweise überzeugenden Rettung auf Pauli. Verbunden mit der Frage “Wie schwer wollen wir es uns sportlich machen in dieser Saison?” Und der VfL so: “Ja.” Vielleicht ist das die Quintessenz dieser Saison: Leicht ist anders. Und es wollte auch keine Fee vom Himmel schweben, die uns gegen einen Zweitligisten ein Ruhepolster eines 3:0 im Hinspiel unter den Tannenbaum der Enttäuschung dieser Spielzeit legt. Einfach mal so. Stattdessen bleibt die Furcht, dass die 29 Jahre-Party im Rinnstein endet. Dieser Weg Pfingstmontag wird wahrlich kein leichter sein. Ich bin schon weit weg, überhaupt noch was zu kritisieren, was sportlich auf dem Feld passiert – obwohl es da genug Ansätze gäbe. Vielleicht hätte sich die Fee tatsächlich locken lassen mit etwas mehr Risikobereitschaft, einer schnelleren Spielverlagerung gegen die ostwestfälische Zeitspiel-Mauer, mehr Mut und Präzision im Abschluss oder mit Überlagerung auf den Seiten, um als Schienenspieler nicht immer drei Gegenspieler in Weiß vor sich zu haben. Stattdessen: The Last Dance. Endspiel. Hop oder Top. Ein finaler Countdown. Am Montag wird einer gewinnen müssen. Und wenn wir das sein wollen, müssen wir tatsächlich sogar auch ein Tor schießen.
Phil und der Rinnstein
Statt in Kritik habe ich mich vielmehr ins Stadium der Akzeptanz versetzt. Es wird halt nicht besser. Gleich geht das Licht an. Da kann man noch mal alles rausholen für den All-Time-Favorite. Und drauf hoffen, dass die nächste Party tatsächlich besser wird. Was anderes bleibt nicht. Das Schöne: Wolfsburg hat diese Akzeptanz-Stufe ebenfalls erreicht. Deutlich zu sehen im Stadion, in der Kurve. Bedingungslose Unterstützung. Tausende bei den Public Viewings im Allerpark und beim Rückspiel im Stadion am Montag werden unterstreichen – trotz allem, trotz dieser Saison, trotz eines 0:0 und feiernden Paderbornern in unserem Wohnzimmer: Der VfL ist unserer Stadt, diesem Standort, den Menschen hier nicht egal. Es ist Bereitschaft da, mitzuhelfen beim Klassenerhalt. Enttäuschung und Wut werden zurückgestellt. Wir wissen doch, es geht nicht besser. Augen zu und irgendwie durch. Irgendwie es schaffen, die Bundesliga-Hymne auch im nächsten Jahr noch als Erstligist auf der Tanzfläche von Fußballdeutschland hören zu können. Egal wie. Wir stehen dort, wo wir sind, nicht nur aus eigenem Verschulden, sondern in der Gewissheit, bereits etwas fast Unmögliches vollbracht zu haben. Phil Collins würde singen: Against all odds. Kaum einer hat damit wahrscheinlich gerechnet. Und dennoch wäre es eine Farce, jetzt noch im Rinnstein zu landen, wenn die Partynacht zuende ist. Ausgeschlossen ist das nicht und irgendwie könnte man auch sagen, wenn es so käme: typisch und folgerichtig. Und dann würden wir dieses Schicksal annehmen. Doch bis dahin fließt noch viel Verkehr die A2 nach Westen hinunter.
Der Appell gilt natürlich der Mannschaft: Reißt euch zusammen. Macht es irgendwie möglich. Egal wie. Schlurft noch mal auf die Tanzfläche. Tut eure Pflicht. Wir werden es auch tun. Am Pfingstmontag. Wir kritisieren euch nicht, im Bewusstsein, dass es eh nichts bringt. Macht einfach. Versucht alles. Wir unterstützen euch. Es ist der letzte Tanz. Und dann vergessen wir den Scheiß. Zumindest über Nacht. Und gehen mit einem Gefühl nach Hause: gerade noch mal gut gegangen. Nächstes Mal wirds besser. Bestimmt.
In diesem Sinn: Bleibt geschmeidig!
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Der Appell gilt natürlich der Mannschaft: Reißt euch zusammen. Macht es irgendwie möglich. Egal wie. Schlurft noch mal auf die Tanzfläche. Tut eure Pflicht. Wir werden es auch tun. Am Pfingstmontag. Wir kritisieren euch nicht, im Bewusstsein, dass es eh nichts bringt. Macht einfach. Versucht alles. Wir unterstützen euch. Es ist der letzte Tanz. Und dann vergessen wir den Scheiß. Zumindest über Nacht. Und gehen mit einem Gefühl nach Hause: gerade noch mal gut gegangen. Nächstes Mal wirds besser. Bestimmt.
So und nicht anders!
Was will man jetzt noch kritisieren oder meckern?
Der Zug ist schon soooo lange abgefahren.
Da müssen wa jetzt durch.
Hoffen das vorne am Montag einer rein fällt
Irgendwie